Projekt

Der Kauf – Teil 1

Mit schnellen Schritten nahte der 19. August. Tommy und ich hatten bereits unsere Reiseplanung weitgehend abgeschlossen. Tommy würde mich gemeinsam mit „CrazyMaik“ von der Arbeit abholen, um auf die 400 Kilometer lange Reise nach Lennestadt im schönen Sauerland zu gehen. Was ich im Vorwege nicht erwähnt hatte, unser Zielobjekt stand in der Nähe von Olpe, was wiederum in der Nähe von Köln liegt… also fast um die Ecke….nicht.

CrazyMaik – ein weiteres Teammitglied – ist ein Angestellter von Tommy und ein gemeinsamer Freund. Er sollte noch die ganze lange Autofahrt Gelegenheit bekommen, ebenfalls ein Autonarr zu werden. Was blieb ihm auch anderes übrig mit uns beiden im Auto?

Zurück zur Vorbereitung: Zuerst musste das Reisemittel unserer Wahl gefunden werden. Mein Wunsch war, dass wir mit zwei Autos und genügend Fahrern fahren, sodass man sich regelmäßig abwechseln konnte. Das war – wie wir später feststellten – eine meiner seltenen guten Ideen. Die Deutsche Bahn schied relativ früh aus, da sie in Summe teurer war, als zu dritt in einem Auto zu fahren. Hinzu kamen fehlende Flexibilität und eine unzumutbare Zahl an Umstiegen. Also ging es weiter zur Frage: Welches Auto nehmen wir? Wir einigten uns auch hier ziemlich schnell auf „Mori“. Mori ist ein Daihatsu Marteria und das zuverlässige Alltagsmobil von Tommy. Unsere Eltern nennen Mori insgeheim nur „Kühlschrank“. Ich verstehe gar nicht, warum…..

Von wegen Kühlschrank

Von wegen Kühlschrank

Die Routenplanung war dann wieder meine Aufgabe. CrazyMaik und Tommy sollten mich von der Arbeit abholen, dann gäbe es erstmal was zu Essen. Mein Plan sah eine Fahrt auf der A1 bis Dortmund vor. Dort sollte dann Moritz zusteigen. Moritz ist ein Freund meines Neffen und warum genau wir ihn dort einsammelten, weiß ich auch nicht so genau. Normalerweise bin ich ja ein Freund von Trivialitäten, aber in diesem Fall bringt uns der Hintergrund nicht weiter. Trotzdem freuten wir uns über seine Anwesenheit. So viel nun zu den Vorbereitungen.

"4 Stunden" - genau....

Wären wir lieber diese Strecke gefahren…

Es ist Freitag, der 19. August gegen 11:00 Uhr und ich will ein Auto kaufen. Ich sitze bereits seit halb 7 im Büro und habe mein Tagwerk längst geschafft, obwohl ich mich nur schwer konzentrieren konnte.

Das Telefon klingelt, Tommy ist dran. Ich soll raus kommen. Es fällt mir schwer, das Büro nicht rennend zu verlassen. Andererseits wäre es gemessen an Wochentag und Uhrzeit auch nicht ungewöhnlich, den Arbeitsplatz im Laufschritt zu verlassen. Nun gut.

Kurz Tommy und CrazyMaik begrüßt, in Mori eingestiegen und erstmal in Hamburg Altona was gefuttert. Dann sind wir so weit. Als Ziel wird „Lennestadt“ ins Handy eingegeben. Leider haben wir alle kein Navi, leider haben wir alle auch kein Autoladegerät fürs Handy, leider dümpeln wir alle so mit 60% Akku rum und haben noch ca 16 Stunden Fahrt vor uns. Das kann ja heiter werden. Der Sicherheitsfanatiker in mir hat noch vor der Mittagspause seinen ersten Schlaganfall des Tages erlitten.

Es ist 12:30 Uhr und wir reihen uns auf der A1 ein. Der Verkehr in Hamburg ist sehr zäh und wir freuen uns auf die Autobahn. Seit die Strecke nach Bremen nicht mehr ausschließlich aus Baustellen besteht, darf sich die BAB1 auch wieder als Autobahn bezeichnen… dachten wir.

Scheinbar hatte jeder Mensch nördlich der Elbe die Idee, an diesem Freitagmittag über die A1 gen Süden zu fahren, denn wir stehen und stehen und stehen. Dann rollen wir, mal mit 20, mal mit 30 und wenn es gut läuft, auch mal längere Zeit mit 60 Km/h. Doch so richtig durch kommen wir nicht. Kurz vor Osnabrück fahren wir das erste Mal länger als eine Minute mit 100 Km/h über die „Autobahn“. Doch noch werden die Gesichter nicht lang. Wir sind von Vorfreude gezeichnet.

Es ist mittlerweile 15 Uhr, Tommy fährt und ich bewahre sein Handy, als „Nissan Leopard“ anruft. Ich bin ein wenig irritiert und teile Tommy den Anrufer mit. Schnell löst sich die Frage auf: Es ist Andy, der Eigentümer des Nissans. Wir telefonieren kurz und ich warne ihn, dass wir sicher noch länger brauchen. Das trifft sich gut für Andy, er muss noch ein Hemd kaufen oder so… alles klar, mach mal. Tommy erklärt mir dann noch, dass er grundsätzlich Autoverkäufer mit dem Namen des zu verkaufenden Autos einspeichert, deswegen Nissan Leopard. Macht Sinn.

Irgendwo im Niemandsland zwischen Osnabrück und dem Ruhrpott haben sich unsere regulären Gesprächsthemen erschöpft und Tommy und ich fangen an, CrazyMaik mit Autos zu nerven. CrazyMaik fährt einen gelben Renault Clio. Geht gar nicht, finden wir. Geht gar nicht, findet CrazyMaik am Ende auch.

Tommy, „Also Du brauchst ein ordentliches Auto. Thorsten ist ja gleich versorgt, wenn er den Leo kriegt. Aber was kannst Du haben?“
Ich, „Audi und VW kommen schon mal nicht in Frage“
Tommy, „Stimmt“
Maik, „Waru…“
Tommy und ich, „Glaub uns einfach, die kommen nicht in Frage“

Nach einer halben Stunde und gefühlten 5 zurückgelegten Kilometern haben wir CrazyMaik mit unserem Automarken-Horizont synchronisiert und sind einige Ideen durchgegangen. Eine Idee war, einen Jaguar aus der XJ-Serie zu nehmen und ihn wie einen Avro-Lancaster Bomber zu lackieren. Blöd nur, dass Jaguar so doll rostet. Außerdem sind die Alten so teuer und die Modellpalette ist etwas unübersichtlich, abgesehen davon, dass alles in Inch ist und man praktisch einen zweiten Satz Werkzeug braucht. Tommy hat da schon Erfahrung mit. Irgendwo auf halber Strecke zu Auto Nummer 14 hatte er mal einen Jaguar XJ 6 Serie 3. Also fällt Jaguar wieder in die Schublade. Schade eigentlich. Ich erinnere mich noch an Tommys alten XJ6, der hatte als große Reiselimousine zwei jeweils 45 Liter fassende Tanks. War einer leer, konnte auf Knopfdruck die Benzinpumpe auf den anderen Tank umgeschaltet werden. Blöd nur, dass wir die Pumpe falsch angeschlossen hatten. Sie pumpte den Sprit von einem in den anderen Tank. Wenig hilfreich, wenn das Zeug vorn beim Motor ankommen soll aber ich schweife ab.

EIn XJ6 der Serie 3

Ein XJ6 der Serie 3

CrazyMaiks Vorschlag „Mazda MX 5“ geht in Tommys prustendem Gelächter unter. Auf CrazyMaiks ahnungsloses Gesicht antworte ich mit dem folgenden Witz:

Kommt ein Mann zum Arzt. Fragt ihn der Arzt „Wann hatten Sie das letzte Mal Sex?“ Der Mann antwortet, „ich fahre einen Mazda MX5.“ Da entgegnet der Arzt, „also so genau wollte ich das jetzt auch nicht wissen..“

MX5 ist sofort disqualifiziert, obwohl Mazda als japanische Marke natürlich in der engeren Wahl ist. Wir finden sogar ernsthafte Argumente gegen den MX5, die sind aber natürlich nicht so lustig, wie unser Witz. Deswegen werden sie hier nicht aufgezählt hihi.

Wir stellen allerdings fest, dass der Mazda RX8 ein tolles Auto für CrazyMaik wäre. Bei dem RX8 handelt es sich um ein Coupé, das zwischen 2003 und 2012 gebaut wurde und das mit ein Paar besonderen Eigenschaften daher kommt: Ohne B-Säule, dafür aber mit einem 2-Zylinder Kreiskolbenmotor. Er leistet mindestens 190 PS und wird damit von Tommy und mir als angemessen eingestuft.

Bis kurz vor Münster schwadronieren Tommy und ich über die Vorzüge eines RX8 und dass er genau das richtige Auto für CrazyMaik wäre, dabei haben weder Tommy, noch ich je einen RX8 aus der Nähe gesehen. Aber Maul aufreißen geht in unserer Familie halt immer gut und CrazyMaik ist begeistert. Auf halbem Weg nach Dortmund hat er sich bereits seinem Schicksal gefügt. Ein RX8 muss für ihn her.

CrazyMaiks Wunschauto

CrazyMaiks Wunschauto

Wir erreichen Dortmund gegen 17 Uhr. CrazyMaik hat in der Zwischenzeit etwas geschlafen und es gab einige Fahrerwechsel. Moritz steigt am Flughafen zu und wir nähern uns immer mehr unserer letzten Station: Lennestadt. Auch „Nissan Leopard“ hatte in der Zwischenzeit mehrfach angerufen. Erfolgreich hatte er sich ein Hemd kaufen können und müsste nun noch irgendwas erledigen. Wir gehen davon aus, dass wir um 19 Uhr bei ihm eintreffen werden. Das passt ihm. Eigentlich wollten wir spätestens um 16 Uhr dort sein aber wir hatten unsere Rechnung ja ohne die Verkehrslage gemacht.

Die letzte halbe Stunde fahren wir über interessante Viadukte durch tiefe Täler und bewegen uns mitten durchs Sauerland. Wirklich eine schöne Gegend. Ein besonderer Kontrast zu dem platten Land meiner Heimat.

Um kurz vor 19 Uhr überqueren wir das Ortsschild „Lennestadt“. Da es in NRW allerdings häufig große zusammengehörige Stadtgemeinden gibt, dauert es noch 15 Minuten und 3 weitere Ortsteile, bis wir endlich in die Walzwerkstraße einbiegen.

Dabei handelt es sich – kaum am Namen erkennbar – um eine kleine Straße mit mehreren ansässigen Industriebetrieben. Wir fahren einfach erst mal in die Straße hinein und halten Ausschau. Mein Puls hat längst die 100 Schläge pro Minute überschritten. Als die Straße fast zuende ist, sehen wir ihn auf der linken Seite stehen….

Das ist er - links ein glüclicher Tommy - hinten Mori

Das ist er – links ein glüclicher Tommy – hinten Mori

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